Die Fahrradbranche steht für Innovation, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Damit diese in Zukunft vielfältig gestaltet wird, braucht es unterschiedliche Perspektiven – auch in Führungspositionen. In unserem Beitrag zum Equal Pay Day haben wir beleuchtet, wie sich Strukturen und Rahmenbedingungen auf Karrierewege auswirken.
Heute sprechen wir mit drei unserer weiblichen Führungskräfte über ihre Erfahrungen, Stärken und Veränderungspotenziale.
Welche Stärken bringen Frauen Deiner Meinung nach häufig in Führungspositionen ein?
Sonja Graßmann, Head of HR & Administration:
„Ich erlebe viele Frauen in Führungspositionen als sehr durchsetzungsstark und klar, ohne dabei laut auftreten zu müssen. Sie sind oftmals sehr reflektiert, können gut begründen und ihre Argumente sind nachvollziehbar. Viele von ihnen verfügen zudem über hohe emotionale Kompetenzen, können ihre Teammitglieder gut einbinden, unterschiedliche Betrachtungsperspektiven in ihre Überlegungen einbeziehen und konstruktives Feedback geben.
Diese Eigenschaften sind jedoch nicht geschlechterspezifisch. Dennoch beobachte ich eine erhöhte Zahlenfokussierung häufiger bei männlichen Führungskollegen.
Entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel all dieser Kompetenzen. Erfolgreiche Führung in Unternehmen besteht aus einer Mischung verschiedener Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich gegenseitig ergänzen.“
Nicol Michallik, Director Finance & Controlling:
„Frauen bringen oft eine bemerkenswerte Kombination aus Resilienz und Empathie mit – sie können mit Druck umgehen, ohne die Menschlichkeit zu verlieren. Viele von uns führen sehr empathisch, was Teams stärkt und nachhaltig motiviert. Zudem sind Frauen oft lösungsorientiert und sehen das große Ganze, statt sich rein auf kurzfristige Ergebnisse zu fixieren.“
Welche Fähigkeiten helfen Dir, Dich durchzusetzen und Gehör zu finden?
Sonja Graßmann, Head of HR & Administration:
„Eine gute Vorbereitung ist mir wichtig, um Sicherheit zu erlangen. Ich bleibe ruhig und bedacht, auch wenn es um mich herum lauter wird. Zudem ist es mir wichtig, mir immer bewusst zu machen, dass sich der Gegenwind nicht auf meine Person bezieht.“
Nicol Michallik, Director Finance & Controlling:
„Ich habe gelernt, klare Grenzen zu setzen, direkt zu kommunizieren und mir den Raum zu nehmen, den ich brauche. Ich spreche Themen direkt an, auch wenn sie gelegentlich unbequem sind. Authentizität und Klarheit sind für mich Schlüssel, um nachhaltig Wirkung zu erzielen.“
Welchen Rat würdest Du Deinem jüngeren Ich für den Aufbau einer erfolgreichen Karriere geben?
Nicole Hector, Head of Brand:
„Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat für den Wunsch-Karriereweg mitgeben dürfte, dann diesen: Lass dich nicht von vermeintlichen Rahmenbedingungen abschrecken.
Gerade in Branchen mit einem hohen Männeranteil oder in Gesprächsrunden, in denen man sich vielleicht zu jung oder zu weiblich fühlt, entstehen manchmal Momente des Zweifelns. Doch genau diese Situationen sind oft wertvolle Lernfelder.
Dabei sind Offenheit, Empathie, gutes Zuhören und die Bereitschaft, andere Perspektiven einzunehmen, echte Stärken. Sie schaffen die Basis für Vertrauen und Zusammenarbeit. Gleichzeitig ist es entscheidend, sich der eigenen Kompetenzen bewusst zu sein. Fachliche Expertise, Klarheit in der Argumentation und ein konstruktiver Dialog auf Augenhöhe sprechen für sich.
Gehör verschafft man sich nicht durch Lautstärke, sondern durch Substanz. Und genau darin liegt echte Stärke – unabhängig von Geschlecht oder Identität.“
Sonja Graßmann, Head of HR & Administration:
„Sei selbstbewusst! Es gibt einen Grund, warum du hier bist. Nur weil du nicht so laut bist wie manche deiner Kollegen, sind deine Erfahrung und deine Meinung nicht weniger wert!“
Nicol Michallik, Director Finance & Controlling:
„Ich war schon immer in männerdominierten Branchen unterwegs, sei es in der Steuerberatung bei KPMG, in der Forschung, im IT-Dienstleistungsbereich oder jetzt im Fahrrad-Business. Mein Rat an mein jüngeres Ich lautet: Du kannst alles. Wenn du etwas noch nicht kannst, dann kannst du es lernen. Vertraue auf deine Fähigkeiten, bleibe neugierig und lasse dich von alten Rollenbildern nicht verunsichern.“
Was braucht es, damit mehr Frauen Führungsverantwortung übernehmen, auch in männerdominierten Feldern?
Sonja Graßmann, Head of HR & Administration:
„Die Rahmenbedingungen und Strukturen sind nach wie vor oft nicht auf unterschiedliche Lebenskonzepte ausgelegt. Es braucht zuverlässige Vertretungsmodelle für Elternzeiten, flexiblere, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und klare Karrierepfade, die sich mit den unterschiedlichen privaten Lebenskonzepten gut kombinieren lassen.
Insbesondere in männerdominierten Bereichen sind starke Männer gefragt, die sich klar für weibliche Führungskräfte einsetzen, ihre Kolleginnen konsequent einbinden und den Mehrwert gemischter Führungsteams verstehen und leben wollen.“
Nicol Michallik, Director Finance & Controlling:
„Es braucht mehr Frauen in Entscheidungsrollen, die aktiv andere Frauen fördern und mitentscheiden, wenn Führungspositionen besetzt werden. Außerdem einen strukturierten Wandel in den Unternehmen – hin zu mehr Flexibilität, Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder und echter Chancengleichheit. Veränderung passiert nicht zufällig, sie muss bewusst gestaltet werden.“
Was wünschst Du Dir für die nächste Generation von Frauen im Berufsleben?
Sonja Graßmann, Head of HR & Administration:
„Ich wünsche der nächsten Generation, dass die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern noch einmal an Fahrt aufnimmt, die aktuell bestehenden Lücken (Gender Pay Gap, Verteilung der Care-Arbeit, Anteil weiblicher Führungskräfte …) endlich geschlossen werden und sich neue Formen der Führung etablieren, sodass ihr euch nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden müsst.“
Nicol Michallik, Director Finance & Controlling:
„Ich wünsche mir, dass Frauen sich alles zutrauen – auch dann, wenn sie nicht zu 100 % sicher sind. Dass sie ihre Stimmen nutzen, ihre Erfolge kommunizieren und sich gegenseitig stärken. Ein starkes Frauennetzwerk kann Türen öffnen und den Weg ebnen. Seid laut, seid sichtbar, und habt Mut, euren eigenen Weg zu gehen.“
Rahmenbedingungen schaffen, die Veränderung ermöglichen
Fest steht: Frauen bringen vielfältige Stärken, Empathie und Durchsetzungsvermögen in Führungspositionen ein. Gleichzeitig sind Strukturen, Chancengleichheit und gegenseitige Unterstützung notwendig, damit noch mehr Frauen Verantwortung übernehmen können.
Der Weltfrauentag erinnert uns daran, dass Fortschritt möglich ist, wenn wir ihn bewusst gestalten.
