Steigende Nachfrage nach Dienstfahrrad & Co: Corona löst weltweiten Fahrradboom aus

Deutschland radelt – und die Fahrradbranche profitiert gleich doppelt: Neben der Klimakrise sorgt die Corona-Pandemie aktuell für eine rasant steigende Nachfrage in der Zweiradindustrie.

Bereits 2019 stieg laut Zweirad-Industrie-Verband der Umsatz um rund 34% auf 4,23 Milliarden Euro. Für das Plus verantwortlich waren vor allem die hochpreisigen E-Bikes, deren Verkäufe um ca. 30% zugenommen haben.

Befeuert wird der Boom zusätzlich durch den Trend zum Dienstfahrrad: „Immer mehr Firmen stellen ihren Mitarbeitenden statt eines Dienstwagens nun E-Diensträder zur Verfügung. Für dieses Jahr erwarten wir ein Leasingwachstum von 50%“ sagt Albert Herresthal vom Verbund Service und Fahrrad im Artikel „Rückenwind fürs Rad“ auf spielgel.de.

Bike-Boom in den USA

Das Ergebnis der aktuellen Entwicklungen ist ein wahrer Ansturm auf die Fahrradläden – und das nicht nur in Deutschland. In den USA sind viele Radgeschäfte leergekauft, weil sich selbst die eher „radelfaulen“ Amerikaner aus Angst vor der Ansteckung mit Coronaviren neuerdings aufs Fahrrad schwingen.

Die New York Times berichtet in dem Artikel „Thinking of Buying a Bike? Get Ready for a Very Long Wait.” von Warteschlangen vor den Läden, Rekordumsätzen, Lieferschwierigkeiten und Straßen, die zu Fahrradwegen umgewandelt werden.

Förderungen fürs Fahrrad in Italien und Frankreich

Auch in Italien gehen den Fahrradgeschäften die Räder aus. Während Deutschland noch über eine Autokaufprämie verhandelt hat, lockt Italien in großen Städten und Ballungsräumen mit einem staatlichen Zuschuss von 60% pro Fahrrad (oder ähnlichem Fortbewegungsmittel), maximal jedoch mit 500 Euro.

Um dem Run auf die Fahrradläden eine ökologisch sinnvolle Richtung zu geben, fordert ein kommunaler Verbund in der Emilia-Romagna das italienische Regierungsprogramm um einige Punkte zu ergänzen: Radfahrer sollen z.B. für den Weg zur Arbeit monatlich bis zu 50 Euro Kilometergeld bekommen, neue Fahrradwege sollen bereitgestellt und der Transport von Klapprädern in der Bahn für Pendler kostenlos werden (vgl. „Ferrari-Land wird Fahrradland“ auf spiegel.de).

Aus Angst, dass öffentliche Verkehrsmittel zu Ansteckungsherden werden, sobald wieder mehr Menschen zum Arbeitsplatz fahren, fördert auch die französische Regierung das Radfahren mit 20 Millionen Euro. Damit mehr Pendler radeln gibt es z.B. einen staatlichen Bonus von 50 Euro für die Frühlings-Reparatur.

Auf jeden Fall bewegt sich etwas – in den Köpfen der Leute und bei den Regierungen – und der Trend zu einer zukunftsfähigeren Mobilität nimmt Fahrt auf.

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