Europa radelt – Datenauswertung bestätigt Fahrradboom

In den letzten Monaten wurden in vielen Ländern neue Radwege gebaut, weitere sind in Planung. Europaweit haben die Regierungen finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt mehr als 1 Mrd. € für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur mobilisiert. Aber was ist dran am Radlhype? Sind wirklich mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs? Die European Cyclists’ Federation (ECF) hat eine Vielzahl an Daten verschiedener Quellen ausgewertet. Das Ergebnis: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird im Vergleich zum Vorjahr fast überall deutlich mehr geradelt.

Das geht unter anderem aus den von Eco-Counter gesammelten Daten hervor: In einem interaktiven Dashboard vergleicht das Unternehmen jeden Monat die Anzahl der Radfahrer mit dem Wert des Vorjahrs. Bis auf Irland und Österreich war der Anteil der Radfahrer im Oktober 2020 in allen erfassten Ländern deutlich höher als im Oktober 2019. Den größten Zuwachs zeigte weiterhin Italien (+48,4%), gefolgt von Portugal mit 43,4%. Das Wachstum des Radverkehrs in Deutschland lag im Oktober 2020 bei 13,2%, im September 2020 waren es 20%.

Auch die Daten von Google Maps bestätigen diesen Trend. Zwischen Februar und Juni 2020 wurden weltweit 69% mehr Suchen für Fahrradstrecken durchgeführt. In Finnland und Polen hat sich die Suche sogar vervierfacht, in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als verdoppelt. Aufgrund des zunehmenden Radverkehrs hat Google Maps, neben New York, nun auch für weltweit 24 weitere Städte (darunter Hamburg und Berlin) Echtzeit-Daten von Bikesharing-Stationen in seine Karten integriert.

 

Zuwachs der Suchen nach Fahrradstrecken mit Google Maps zwischen Februar und Juni 2020

Die Anzahl getrackter Routen der Navigations-App Strava zeigt für 2020 ebenfalls ein deutliches Wachstum gegenüber dem Vorjahr: +56% in Berlin (April), +119% in London und +222% in Liverpool (Mai) sowie +82% in Barcelona (Juni).

Für den Mobilitätsmonitor 2020, einer vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführten Studie, wurden 1.237 Personen nach einer Veränderung ihres Mobilitätsverhaltens seit Beginn der Pandemie befragt. Das Ergebnis zeigt, dass in der Bevölkerung ein Umdenken stattfindet: 32% der Teilnehmer gaben an, mehr Fahrrad zu fahren, 27% möchten dies auch nach Corona beibehalten. Gleichzeitig gaben 29% der Befragten an, das Auto weniger zu nutzen. 14% möchten auch in Zukunft häufiger auf das Auto verzichten.  

Laut des Entwurfs des nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplans ist der Radverkehr in polnischen Städten um ca. 50% gestiegen. Dies hat die Regierung dazu veranlasst, den Ausbau der Radinfrastruktur als eine der Prioritäten in den Plan mitaufzunehmen.

„Wir sind optimistisch, dass diese Förderung, gemeinsam mit den Maßnahmenpaketen anderer Länder, zu einem weiter ansteigenden Radverkehrsaufkommen und mehr nachhaltiger Mobilität in ganz Europa führen wird“, sagt Company Bike Geschäftsführer Markus Maus.

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